Kurtsgeschichten @home |Tag 19

Ein Anfang nach Wochen

Man muss einen Quarantäne-Blog ja nicht mit Tag 1 beginnen. Es geht auch jetzt nach fast drei Wochen. Dann hat man auch die enthusiastischen Blogposts der ersten Tage schon alle längst hinter sich gelassen. All die guten Tipps, wie man seinen Tag strukturiert, was man weshalb anziehen soll und was warum nicht, was man wie gemeinsam kochen kann, wie man super toll Sport macht zuhause und wie man die Zeit sonst noch großartig nutzen kann blablabla. Und man hat all die salbungsvollen Instagram-Videos der größeren und kleineren Influencer und „Stars“ gesehen. Wie sie toll durch ihre riesigen, hellen Wohnungen tanzen, lustige Dinge tun oder uns ganz wichtige Dinge sagen. Danke dafür!

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In der Realität angekommen

Jetzt nach fast 3 Wochen ist man dann doch in der Homeoffice-Realität angekommen. Kein Kind, kein Tier. Nur zwei Home Officer, die sich die Wohnung teilen. Und das auch bisher toll und reibungslos. Die Journalistin und der Werber kriegen das schon hin.

Um 9:15 startet der tägliche Zoom-Call mit den Werbepartnern, die Projekte des Tages werden besprochen. Fast immer um 9:30 der tägliche Teams-Call im Nebenzimmer, bei dem sich JournalistInnen aufgeregt Themen um die Ohren hauen. Auch mal spannend, das fast mitzukriegen.

Und dann startet der Tagesplan. Was – abgesehen vom Zoom-Call – so neu auch nicht ist. Denn ich habe lange genug von zuhause aus gearbeitet, um jetzt darüber allzu erstaunt zu sein. Dann sitzt man eben in den eigenen Wänden, es sind ja viel mehr als 4, und recherchiert und brütet, und denkt und schreibt und macht und erfindet und verwirft und entdeckt. Das ist kein großer Unterschied zu früher. Wenn man nicht online News oder im TV ORF2 oder puls24 verfolgt. Dann kommt man an dem Virus natürlich nicht vorbei. Und wird wieder in die Tagesrealität geworfen. Oder wenn man kurz mal raus will. Das ist ja prinzipiell erlaubt. Und trotzdem ist das Gefühl nicht mit vorher vergleichbar. Die mittlerweile angelernte Vorschriften-Latte im Kopf geht mit. Abstand halten, Mundschutz tragen, Hände waschen. Ungezwungen durch die Straßen zu trollen ist schwer geworden.

Dann sitzt man in den eigenen Wänden und recherchiert und brütet, und denkt und schreibt und macht und erfindet und verwirft und entdeckt.

Keine 5 Tipps, die man unbedingt beachten sollte

Da ich schon lange genug schreibe und vor allem lese, kann ich es mir auch gut verkneifen, Umwelt und Mitleser mit den 5 wichtigsten Tipps für X oder den 10 goldenen Regeln für Y zu nerven.

Ich sitze einfach wie die meisten momentan meistens zu Hause und konsumiere Nachrichten und versuche sie zu verarbeiten. Und dabei erlebe ich immer wieder sehr Überraschendes und sehr Erwartbares.

Doch überraschend

  • Ich finde die Art und Weise wie Sebastian Kurz spricht im Moment die meiste Zeit klar und angenehm. Und Nein, ich habe diesen Burschen nie gewählt und ich werde ihn niemals wählen. (Stockholm-Syndrom noch mal googlen!)
  • Wie sehr einen leere Straßen und halbleere Supermärkte irritieren können. Jedes Mal wird jetzt Rausgehen begleitet von einem irgendwie flauen Gefühl ohne klar erkennbaren Grund.
  • Dass die größte Oppositionspartei des Landes mit einer Epidemiologin an der Spitze dennoch ein merkwürdig hilfloses Bild abgibt und dies jetzt wadlbeißerisch zu kompensieren versucht – Stichwort Bundesgärten öffnen! Da verbeißen sich Wiener PolitikerInnen der 2. und 3. Reihe in einem Scheingefecht und spielen Wiener Wahlkampf auf dem Rücken unserer Gesundheit. Die Leute sollen jetzt verflucht noch einmal daheim bleiben und nicht in Hundertschaften durch die Schönbrunner Gärten flanieren.

Doch erwartbar

  • Dass ich unserem neuen Gesundheitsminister Anschober stundenlang zuhören könnte, wenn er uns in bester, ruhiger Lehrermanier bedrohliche Zahlen präsentiert und erklärt. Oberösterreicher halt 🙂
  • Dass die rechtsradikalen Popo-Listen auch in Krisenzeiten außer lautstarkem Blödsinn nichts zu sagen haben.
  • Dass „Einzelkind“ und „freiberuflicher Texter“ recht gute Voraussetzungen sind für ein Leben in Quarantäne.

Nach 7 Wochen im Spital im letzten Jahr und 4 Wochen Reha im Jänner diesen Jahres und der damit verbundenen sozialen Isolation habe ich mich natürlich – kurz im Februar – schon sehr darauf gefreut, nach und nach wieder mehr Freunde zu treffen, rauszugehen, wegzugehen und wieder ein normales Leben zu führen. Da kam mir jetzt mal die größte Krise seit 1945 dazwischen. Aber auch das werden wir schaffen.

Und immerhin hat man ja jetzt auch Zeit, um zu stöbern, zu suchen und daheim durch die Welt zu reisen. So fand ich z.B. auch eine Seite mit vielen alten Fußballspielen zum nachsehen und kenne jetzt auch endlich endlich die Top-Domains des Jahres 2019.

Ist ja auch nicht nix. Und was sich sonst noch so im Home Office tut, berichte ich dann gerne demnächst.

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